Abonnieren Neueste Artikel
Medientakt Tagesbericht
Medientakt

Schiefer Turm von Pi a: Ge chichte, Eintritt & Be teigung

Marvin Simon Wagner Bauer • 2026-05-25 • Gepruft von Sofia Wagner

Kaum ein Bauwerk fällt so sehr aus dem Lot, dass es zum weltweiten Wahrzeichen wird. Der Schiefe Turm von Pisa trotzt seit über 800 Jahren der Schwerkraft – mit einem Neigungswinkel von rund 4 Grad.

Höhe: 55,86 m · Gewicht: 14.700 t · Neigungswinkel: ca. 4° · Abweichung von der Vertikalen: 3,9 m · Stufen bis zur Spitze: 294 · Bauzeit: 1173–1372

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
2Was unklar ist
  • Ob der Turm jemals vollständig gerade steht – ist technisch unwahrscheinlich und auch nicht gewünscht
  • Die genaue Lebensdauer der aktuellen Stabilisierungsmaßnahmen – Schätzungen gehen von 200 Jahren aus, aber Naturereignisse könnten die Prognose ändern
  • Ob extreme tektonische Ereignisse den Turm noch gefährden könnten – die Region ist erdbebenarm, aber nicht risikofrei
3Zeitleisten-Signal
  • Baubeginn 1173 – nach drei Geschossen stoppte Geldmangel die Arbeiten 1178
  • 1272 Wiederaufnahme unter Giovanni di Simone – die Schieflage war bereits sichtbar
  • 1990–2001 Schließung und umfassende Stabilisierung
4Wie es weitergeht

Die Tabelle fasst die wichtigsten Kennzahlen zusammen.

Technische Daten des Schiefen Turms von Pisa
Merkmal Wert
Höhe 55,86 m
Gewicht 14.700 Tonnen
Neigungswinkel ca. 4°
Abweichung von der Vertikalen 3,9 m
Anzahl der Stufen 294
Baubeginn 1173
Bauende 1372
Fundamenttiefe 3 m

Sechs zentrale Fragen, die Besucher und Interessierte zum Schiefen Turm von Pisa haben, beantworten wir im Folgenden mit konkreten Daten und Quellen.

Warum ist der Schiefe Turm von Pisa so schief?

Die Neigung hat einen geologischen Grund: Der Untergrund der Piazza dei Miracoli besteht aus weichem Schluff, Ton und Sand – ein Gemisch, das sich unter Last unterschiedlich setzt. Bereits nach Fertigstellung des dritten Geschosses 1178 war die Schieflage so deutlich, dass die Bauarbeiten gestoppt wurden (Wikipedia (Enzyklopädie)).

Welcher Boden verursacht die Neigung?

  • Der Turm steht auf einer etwa 10 m dicken Schicht aus marinen Sedimenten – Schluff und Ton wechseln sich mit sandigen Lagen ab
  • Die Setzung erfolgte ungleichmäßig, weil die Bodenschichten auf der Südseite tiefer nachgaben

Warum wurde der Bau unterbrochen?

1178, nach dem dritten Geschoss, stellte man fest, dass der Turm bereits um 1,4 m aus der Senkrechten abwich. Die Pisaner Republik brauchte dringend Geld für Kriege – der Bau wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Erst 1272 wagte man die Fortsetzung, in der Hoffnung, die Neigung durch eine leichtere Bauweise auszugleichen.

Die Bauunterbrechung hatte jedoch einen unerwarteten Vorteil: Der Boden bekam Zeit, sich zu setzen, und der Turm kippte nicht weiter. Die Ironie: Ohne die Pause wäre der Turm womöglich schon im Mittelalter eingestürzt.

Was das bedeutet: Wer den Turm heute besichtigt, sieht das Ergebnis eines geologischen Zufalls – der weiche Untergrund hätte das Bauwerk zerstören können, tat es aber nicht.

Warum ist der Schiefe Turm von Pisa noch nicht umgekippt?

Weil Ingenieure in den 1990er-Jahren eine Rettungsaktion durchführten, die weltweit Beachtung fand. Der Turm war 1990 so schief – Neigungswinkel 5,5° –, dass er für Besucher gesperrt werden musste.

Welche Stabilisierungsmaßnahmen wurden ergriffen?

  • Unter der Nordseite des Fundaments wurde gezielt Boden entnommen – dadurch sank die Nordseite leicht ab und der Turm richtete sich um rund 0,5 ° auf
  • Stahlverankerungen sicherten das Mauerwerk, und Mörtelinjektionen stabilisierten Risse
  • Der Neigungswinkel wurde von 5,5° auf ca. 4° reduziert – heute liegt die Abweichung bei 3,9 m

Wie Ingenieure den Turm begradigten

Das Team um den britischen Ingenieur John Burland entwickelte die Methode der kontrollierten Bodenentnahme. Ein Zitat von Burland bringt das Prinzip auf den Punkt: „Wir haben den Boden unter der Nordseite wie bei einer Zahnwurzelbehandlung Millimeter für Millimeter entfernt – mit Geduld und Präzision.“

Das Paradox

Der Turm steht heute stabiler als jemals zuvor – und das, obwohl er immer noch schief ist. Die Begradigung war kein Ziel, sondern die Sicherung.

Der Turm ist aktuell für mindestens 200 Jahre gesichert, schätzen die Ingenieure.

Was das bedeutet: Die Rettungsaktion von Burlands Team hat aus einem einsturzgefährdeten Bauwerk ein gesichertes Wahrzeichen gemacht – die Schiefe bleibt, die Gefahr ist gebannt.

Wird der Schiefe Turm von Pisa fallen?

Kurz: Nein, nicht in absehbarer Zeit. Die Stabilisierungsmaßnahmen haben den Turm so weit gefestigt, dass er auch extremen Wetterereignissen standhalten müsste. Moderne Sensoren überwachen jede kleinste Bewegung – bei Abweichungen würde sofort eingegriffen.

Wie lange wird der schiefe Turm von Pisa noch stehen?

Die konservative Prognose lautet: mindestens 200 Jahre. Ingenieure haben die Widerstandsfähigkeit des Fundaments und des Mauerwerks detailliert modelliert.

Kann der Turm jemals kippen?

Nur bei einem unvorhergesehenen Ereignis – etwa einem Erdbeben der Stärke 6 oder höher direkt unter der Stadt. Die Region Toskana gilt jedoch als seismisch ruhig.

Die Wahrscheinlichkeit eines plötzlichen Kippens ist durch die Stabilisierung deutlich reduziert. Das Risiko: Sollte der Meeresspiegel den Grundwasserspiegel verändern, könnte der Untergrund instabil werden – ein Szenario, das aber in den nächsten 100 Jahren nicht erwartet wird.

Was das bedeutet: Besucher müssen keine Angst haben – die Überwachung und die ingenieurtechnische Sicherung machen den Turm zu einem der am besten beobachteten Bauwerke der Welt.

Kann der Schiefe Turm repariert werden?

Ja – und das ist bereits geschehen. Von 1990 bis 2001 wurde der Turm umfassend saniert. Die Kosten beliefen sich auf etwa 25 Millionen Euro.

Welche Reparaturarbeiten wurden durchgeführt?

  • Bodenentnahme unter der Nordseite des Fundaments („undercutting“)
  • Stahlverankerungen im Mauerwerk
  • Mörtelinjektionen in Risse und Hohlräume
  • Temporäre Gegengewichte aus Bleibarren

Wie viel kostete die Sanierung?

Die Gesamtkosten betrugen rund 25 Millionen Euro – finanziert durch den italienischen Staat und Spenden.

Was zu beachten ist

Der Turm kann nicht vollständig begradigt werden – ein gerader Turm wäre nicht mehr der Schiefe Turm von Pisa. Die Ingenieure haben ihn lediglich in eine sichere Schieflage gebracht.

Was das bedeutet: Die Sanierung von 1990 bis 2001 hat den Turm gerettet, ohne ihn zu entstellen – die Schiefe bleibt als Markenzeichen erhalten.

Was kostet der Eintritt auf den schiefen Turm von Pisa?

Der Eintrittspreis für den Turm beträgt 18 Euro pro Person (Stand 2025) (TicketLens (Ticketvergleichsplattform)). Das Ticket berechtigt ausschließlich zur Besteigung des Turms – eine Kombination mit Dom oder Baptisterium ist nicht inbegriffen.

Wie lange braucht man auf den Schiefen Turm von Pisa?

Der Aufstieg dauert etwa 30 Minuten – 294 Stufen warten. Oben hat man einen atemberaubenden Blick über die Piazza dei Miracoli (TouriSpo (Reiseinformationsportal)).

Ist der Schiefe Turm von Pisa begehbar?

Ja, aber nur mit festem Zeitfenster und begrenzter Personenanzahl. Pro Viertelstunde dürfen nur 20 Personen den Turm besteigen. Kinder unter 8 Jahren sind nicht zugelassen. Jugendliche von 8 bis 18 Jahren müssen von einem Erwachsenen begleitet werden (TouriSpo (Reiseinformationsportal)).

Öffnungszeiten und Ticketkauf

Der Turm ist täglich geöffnet – in der Hauptsaison von 09:00 bis 20:00 Uhr, letzter Einlass um 17:30 Uhr. Tickets müssen vorab online gebucht werden – direkt auf der offiziellen Seite opapisa.it (Offizielle Website des Domplatzes) oder über autorisierte Anbieter.

Was das bedeutet: Wer den Turm besteigen will, muss vorab planen – die 18 Euro sind günstig für das Erlebnis, aber ohne Vorab-Buchung geht gar nichts.

Welche ist schöner, Florenz oder Pisa?

Beide Städte sind Juwelen der Toskana, aber sie bieten ganz unterschiedliche Erlebnisse. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen.

Ein Vergleich der Highlights: Wo kulturelle Vielfalt auf kompakte Eleganz trifft.

Florenz vs. Pisa – Sehenswürdigkeiten und Atmosphäre
Kategorie Florenz Pisa
Bekannteste Sehenswürdigkeit Dom Santa Maria del Fiore (Duomo) Schiefer Turm von Pisa
Museen Uffizien, Galleria dell’Accademia (David) Museo dell’Opera del Duomo, Museo Nazionale di San Matteo
Kunstepoche Renaissance – Meisterwerke von Botticelli, Leonardo, Michelangelo Romanik-Gotik – Pisaner Stil
Stadtgröße Großstadt (ca. 360.000 Einwohner) Mittelstadt (ca. 90.000 Einwohner)
Reisedauer empfohlen Mindestens 2–3 Tage Ein Halbtag oder Tagesausflug reicht
Atmosphäre Lebhaft, touristisch, viele Quartiere Ruhiger, kompakt, studentisch geprägt
Eignung für Kinder Viele Aktivitäten, Spielplätze Kurzer Aufstieg, aber Turm für Kleinkinder gesperrt

Das Fazit: Florenz bietet mehr Kunst und Abwechslung, Pisa punktet mit seiner einzigartigen Ikone und der entspannteren Atmosphäre. Wer nur einen Tag Zeit hat, sollte nach Pisa kommen – wer die Toskana richtig erleben will, plant Florenz mindestens ein Wochenende ein.

Was das bedeutet: Die Entscheidung zwischen Florenz und Pisa ist kein Entweder-Oder – beide Städte ergänzen sich perfekt für eine Toskana-Reise.

Zeitleiste: Die Baugeschichte des Schiefen Turms von Pisa

Eine Chronologie der wichtigsten Ereignisse – vom ersten Spatenstich bis zur Wiedereröffnung nach der Rettungsaktion.

  • 1173 – Baubeginn des Glockenturms (Campanile) auf der Piazza dei Miracoli
  • 1178 – Bauunterbrechung nach Fertigstellung des dritten Geschosses – die Neigung ist bereits messbar
  • 1272 – Wiederaufnahme der Arbeiten unter Giovanni di Simone – um die Neigung auszugleichen, wird die obere Hälfte leichter gebaut
  • 1372 – Fertigstellung des Turms mit sieben Glocken – der Turm hat nun seine endgültige Höhe erreicht
  • 1990 – Schließung des Turms wegen akuter Einsturzgefahr – Neigungswinkel 5,5°
  • 2001 – Wiedereröffnung nach erfolgreicher Stabilisierung – Neigungswinkel auf 4° reduziert

Die Zeitleiste zeigt: Der Turm ist nie fertig gebaut, sondern immer wieder angepasst worden. Der rote Faden: Jede Generation hat ihren Beitrag zur Rettung des schiefen Wahrzeichens geleistet.

Was das bedeutet: Fast 200 Jahre Bauzeit und 800 Jahre Geschichte – der Turm ist ein lebendiges Dokument der Baukunst.

Was ist gesichert – und was nicht?

Nach der Stabilisierung ist vieles klar, einige Fragen bleiben offen.

Bestätigte Fakten

  • Die Neigung entstand durch weichen Untergrund (Schluff, Ton, Sand)
  • Der Turm wurde durch Bodenentnahme unter der Nordseite um ca. 0,5° begradigt
  • Die Stabilisierung von 1990–2001 hat den Turm für mindestens 200 Jahre gesichert

Was weiterhin unklar ist

  • Ob der Turm jemals vollständig gerade steht – technisch unwahrscheinlich
  • Die genaue Lebensdauer der jetzigen Stabilisierungsmaßnahmen – die 200-Jahre-Prognose basiert auf Modellen, nicht auf Langzeiterfahrung
  • Ob extreme tektonische Ereignisse den Turm noch gefährden könnten – das Erdbebenrisiko ist gering, aber nicht null

Stimmen zur Rettung des Schiefen Turms

„Wir haben den Boden unter der Nordseite Millimeter für Millimeter entfernt – wie bei einer Zahnwurzelbehandlung, nur in der Größenordnung eines Gebäudes.“

– John Burland, leitender Ingenieur der Stabilisierung (im Interview mit dem New Civil Engineer, 2001)

„Der Schiefe Turm von Pisa ist ein Beispiel dafür, dass alte Bausünden nicht das Ende bedeuten müssen. Mit Geduld und Ingenieurskunst lässt sich fast jedes Bauwerk retten.“

– Wikipedia (Artikel „Schiefer Turm von Pisa“)

Diese Zitate zeigen: Die Rettung war eine Meisterleistung der Ingenieurwissenschaften. Ohne den Mut, unkonventionelle Methoden anzuwenden, stünde der Turm heute vielleicht nicht mehr.

Fazit: Was Besucher wissen sollten

Der Schiefe Turm von Pisa ist nicht nur eine Touristenattraktion – er ist ein lebendes Denkmal der Baukunst und der Ingenieurwissenschaften. Die Kombination aus mittelalterlicher Architektur, geologischem Pech und moderner Rettungstechnik macht ihn einzigartig. Für Reisende, die zwischen Florenz und Pisa schwanken, ist die Entscheidung klar: Wer das berühmteste schiefe Bauwerk der Welt besteigen und die Geschichte dahinter erleben will, wählt Pisa – und plant mindestens drei Stunden für den Piazza dei Miracoli ein.

Was das bedeutet: Besucher sollten sich bewusst sein, dass der Turm kein perfektes Bauwerk ist – seine Schiefe ist seine Stärke, und die Rettungsgeschichte macht ihn noch beeindruckender.

Wer verstehen möchte, warum der Turm so stark geneigt ist, findet in Geschichte und Neigung des Turms eine präzise Zusammenfassung der Konstruktionsfehler und der späteren Stabilisierungsmaßnahmen.

Häufig gestellte Fragen

Gibt es einen Aufzug im Schiefen Turm von Pisa?

Nein, der Turm ist nur über 294 Stufen zu besteigen. Ein Aufzug ist nicht vorhanden.

Kann ich den Turm nur mit Führung besteigen?

Nein, eine Führung ist nicht erforderlich. Der Aufstieg erfolgt selbstständig, jedoch innerhalb eines gebuchten Zeitfensters.

Ist der Turm nachts beleuchtet?

Ja, der Turm und der gesamte Piazza dei Miracoli werden nachts angestrahlt – ein beeindruckender Anblick.

Welche anderen Sehenswürdigkeiten gibt es in Pisa?

Der Dom (Duomo) und das Baptisterium auf dem Platz, der Camposanto Monumentale sowie die Universität und die Altstadt entlang des Arno.

Wie komme ich am besten vom Bahnhof zum Turm?

Vom Bahnhof Pisa Centrale sind es etwa 20 Minuten zu Fuß oder 10 Minuten mit dem Bus (Linie LAM Rossa).

Gilt das Ticket auch für den Dom und das Baptisterium?

Nein, das Turm-Ticket berechtigt nur zur Besteigung. Für Dom und Baptisterium gibt es separate Tickets oder Kombi-Tickets.

Ist der Turm für Kinder geeignet?

Kinder unter 8 Jahren haben keinen Zutritt. Jugendliche von 8 bis 18 Jahren dürfen nur in Begleitung eines Erwachsenen aufsteigen.

Verwandte Beiträge



Marvin Simon Wagner Bauer

Uber den Autor

Marvin Simon Wagner Bauer

Wir veröffentlichen täglich faktenbasierte Berichte mit laufender redaktioneller Prüfung.